Lerntagebuch ist ständiger Begleiter im Gemeinschaftsschul-Alltag
Hier bleibt nichts geheim

Von Monja Santner-Mundt (Artikel in der RAZ vom 19.11.2015)



Mit der Gustav-Heinemann-Schule ging in diesem Schuljahr die erste Gemeinschaftsschule in Rastatt an den Start (RAZ berichtete), und mit ihr zogen jede Menge Neuerungen für Schüler, Lehrer und Eltern in den Schulalltag ein. Ein zentrales Werkzeug für das individuelle und selbstgesteuerte Lernen an Gemeinschaftsschulen ist dabei das Lerntagebuch.Ein Tagebuch, dem man alle seine Geheimnisse anvertraut,  das kennen viele noch aus ihren Jugendtagen, doch was ein Lerntagebuch ist und wie es das Schulleben bereichern kann, das wissen wohl die wenigsten. Neben Mäppchen, Vesperdose und Büchern befindet sich im Schulranzen der neuen Fünftklässler an der Gustav-Heinemann-Schule auch immer das 90 Seiten starke Lerntagebuch im DIN A4-Format. Als ständiger Begleiter hilft es allen Beteiligten den Schulalltag zu erleichtern. So beantwortet auf den ersten Seiten ein Merkblatt für Erziehungsberechtigte organisatorische Fragen, ein Stundenplan hilft beim Vorbereiten des nächsten Tages und das abgedruckte Schulethos sorgt dafür, dass die Regeln immer allen zugänglich sind.

Auch die vorgedruckten Entschuldigungen, die bei Bedarf nur noch ausgeschnitten, von den Eltern ausgefüllt und unterschrieben beim Klassenlehrer abgegeben werden, bringen Entlastung.Die Hauptaufgabe des Lerntagebuchs besteht allerdings darin, die Schüler beim individuellen und selbst organisierten Lernen zu unterstützen: Der Unterricht an der Gemeinschaftsschule bringt neuartige Lernformen mit sich. So arbeiten die Schüler in den Hauptfächern auf drei unterschiedlichen Niveaustufen und während der individuellen Lernzeit auch in unterschiedlichen
Fächern. Damit das selbst organisierte Lernen funktioniert und die Schüler bestmöglich von den Lehrkräften unterstützt werden können, ist nach Überzeugung der Klassenlehrer das Lerntagebuch als Hilfsmittel unverzichtbar. Für jede Schulwoche gibt es im Lerntagebuch eine immer gleich aufgebaute vorgedruckte Doppelseite. Wie früher im Hausaufgabenheft werden am Anfang der Woche die Aufgaben für die unterschiedlichen Fächer in die entsprechenden Spalten eingetragen. Nötig ist dies vor allem um den Überblick zu behalten, woran der einzelne Schüler gerade arbeitet. Denn aufgrund der unterschiedlichen Niveaustufen ist es möglich, dass Schüler derselben Klasse mit verschiedenen Arbeitsblättern oder Buchseiten befasst sind. Sind die Aufgaben erledigt, werden diese vom Schüler und der Lehrkraft im Lerntagebuch abgehakt. Dadurch können sich auch die Eltern jederzeit auf den aktuellen Stand bringen. Doch das Lerntagebuch ist viel mehr als ein Hausaufgabenheft, denn es soll auch die Reflexionsfähigkeit und das Nachdenken über das eigene Lernen schulen.

Zu Beginn jeder Woche notieren die Schüler, ein Bedarf mit Hilfe der Lehrkräfte, ihre Lernziele für die Woche. „Ich kann die Vokabeln der Unit 1 sicher gebrauchen“, „Ich möchte die Wortarten für das Diktat wiederholen“ oder „Ich kann  sicher mit Bruchzahlen rechnen“, ist dann beispielsweise in der entsprechenden Rubrik zu lesen. Hinter jeder Zeile, in der
Lernziele eingetragen werden können, sind ein lachender, ein neutraler und ein schlecht gelaunter Smiley abgebildet. Am Ende der Woche überlegen die Schüler, ob sie ihr Lernziel erreicht haben und kreuzen dann den entsprechenden Smiley an. Wenn beispielsweise die Vokabeln noch nicht richtig sitzen, ist auf der Doppelseite auch Platz, um sich dies für die nächste Woche schriftlich noch einmal vorzunehmen. Doch nicht nur das Erreichen der Lernziele, auch das Einhalten der Schulregeln und das soziale Miteinander ist den Lehrkräften der Gustav-Heinemann-Schule sehr wichtig. Daher gibt es im Lerntagebuch auch die Möglichkeit über sein Verhalten nachzudenken und sich für die kommende Woche beispielsweise vorzunehmen „alle Materialien mitzubringen“oder „Mitschülern bei den Matheaufgaben zu helfen“.In der Spalte Leistungsnachweise werden die Termine für die nächsten Tests und Klassenarbeiten festgehalten, so dass auch die Eltern einen Überblick darüber haben. „Uns ist es wichtig mit den Eltern eine  gelingende Erziehungspartnerschaft zum Wohle der Kinder zu führen. Dazu ist ein reger



Informationsfluss zwischen Eltern und Lehrern unabdingbar. Dieser wird durch das Lerntagebuch unterstützt und intensiviert“, ist sich Schulleiter Andreas von der Forst auf Grund der bisherigen Erfahrungen mit dem Lerntagebuch sicher. So gibt es in der Rubrik „Mitteilungen“ auf jeder Wochenseite einen Platz, der für den Austausch zwischen Eltern und Lehrkräften vorgesehen ist. Hier können Lehrer Lob und Tadel vermerken, aber auch die Eltern Nachrichten an die Lehrer übermitteln. Die Schüler sollen das Lerntagebuch am besten jeden Tag, auf jeden Fall aber am Ende der Woche ihren Eltern zeigen und unterschreiben lassen. Dadurch wird ein Austausch über das eigene Lernen und die Erfahrungen in der Schule auch innerhalb der Familien angeregt. Ganz neu ist die Idee des Lerntagebuches an der Gustav-Heinemann-Schule nicht. Schon vor einigen Jahren führten Lehrer eine Art Vorläufer der heutigen Version in ihren Klassen ein. Im Zuge der Entwicklung zur Gemeinschaftsschule wurde das Lerntagebuch dann in verschiedenen Klassen erprobt und von Lehrkräften im Gemeinschaftsschulteam immer jeder modifiziert. So wurde aus einer Lose-Blatt-Sammlung über selbst geklebte Büchlein ein professionell gestaltetes und gedrucktes „Endprodukt“, das jetzt nicht nur von den neuen Gemeinschaftsschulklassen, sondern auch von höheren Klassen genutzt wird.

Die gelungene und übersichtliche Gestaltung des Lerntagebuches ist Lehrer Thorsten Ackermann zu verdanken. Und damit die Schüler Freude an ihrem ganz und gar nicht geheimen Tagebuch haben, gab es am Ende des vergangenen Schuljahres einen Wettbewerb, mit dem ein Bild für das Deckblatt gesucht wurde. Unter den vielen kreativen Beiträgen wurde das Werk von Isabella Mrvelj ausgewählt, denn es zeigt in jugendgerechter Weise die prägnante Fassade der Gustav-Heinemann-Schule
mit Elementen aus den einzelnen Fächern. Das Lerntagebuch ist eine erhebliche Erleichterung im Schulalltag, darin sind sich Schüler, Eltern und Lehrer einig. Dennoch ist die aktuelle Fassung nicht in Stein gemeißelt, sondern kann auf Grundlage der aktuellen Bedürfnisse jedes Schuljahres vom Gemeinschaftsschulteam modifiziert werden.

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